In der Wortundbildschmiede - Teil 9 - Fluchtpunkt Deutschland

JL: Hallo, Perle. Was machst du für ein Gesicht? Ist irgendetwas vorgefallen?

DP: Akut? Nein. Ich habe gerade die Diskussion um die Flüchtlingsströme verfolgt. Das verfolgt mich.

JL: Hach. Jetzt geht das los. Oh, wie ist das furchtbar, da muss man doch was tun. Willst du auch was tun?

     Ich back` jedenfalls keinen Kuchen.

DP: Das weiß ich. Und nein, einen Kuchen werde ich auch nicht backen. Mich beschäftigt eine andere Sache,

      etwas Indirektes .

JL: Etwas Indirektes. Aha. Kannst du das... näher... beschreiben?

DP: Ja, kann ich. Hoffe ich jedenfalls. Dauert etwas länger und hoffentlich ergibt sich daraus kein falscher Eindruck

      von mir.

JL: Zwischendurch. Das hat doch nichts mit der.......

DP: Nein, nein, sondern über die Argumentation könnte man von mir eine falschen Eindruck gewinnen oder den

      Richtigen, den ich bei mir nicht wahr haben will.

JL. Klingt kompliziert. So was interessiert mich.

DP: Also.....

JL: Oh, oh. Ein " also " vorangestellt ist immer problematisch. Hatte ich letztens mit Snej.

DP: OooKaaay. Dann schicke ich voraus, dass ich allen Hilfesuchenden, oder besser, allen die Schutz und

      ernsthaftes Asyl suchen, alle Hilfe wünsche, die unser Staat für sie aufzubringen vermag und ich ein guter

      Nachbar sein werde, guten Menschen gegenüber.

JL: Bravo, gute Einleitung. Bitte weiter so.

DP: Ja, schwierig, und unüberhörbar sind da auch schon einige Stolpersteine und Einschränkungen, die ich

      auseinanderpflücken muss. 

      Gerade dieser letzte Teil...... guten Menschen gegenüber. Ich gehe davon aus, dass wir allen Menschen

      und somit auch diesen Asylsuchenden alle menschlichen Charaktereigenschaften zugestehen wollen.

JL: Versteht sich von selbst. Ich glaube, ich weiß worauf.....

DP: Gut, gut. Somit kommen alle, gute wie schlechte, friedliche und böse usw. zu uns, und nur, weil sie

      alles verloren haben oder in ihrem Land Krieg herrscht oder eine Diktatur, werden die Menschen selbst

      nicht automatisch alles Gutmenschen. Und daher werde ich ihnen, wie allen anderen Menschen auch,

      freundlich distanziert entgegentreten, wie in meiner Nachbarschaft auch, bis ich merke, als was sich der

      Gegenüber erweist. Und noch was. Was das bunte Deutschland betrifft, was wir durch die Neuankömmlinge

       bekommen sollen. Sie sind nicht zu einem Ball eingeladen, es ist keine Party. Wenn, dann brauchen sie

       seriöse Hilfe. Ob es hier bunt wird, anscheinend war hier alles grau und trist bisher, liegt an uns selbst.

       Überhaupt ist die Profilsucht der Künstler und " Promis " schon grotesk. Wenn sie bisher kein Ventil

       für ihre Hilfsbereitschaft gefunden haben, na ja, hätte wahrscheinlich keine Schlagzeile gebracht.

JL: Na ja, bei mir rennst du offene Türen ein. Kannst du dich nicht mit jemanden unterhalten, der einen

     Kontrastandpunkt vertritt. Das ist langweilig, ständig " ja, da hast du recht" beisteuern zu müssen.

      Aber ich habe auch etwas bemerkt, womit man uns in den Nachrichten weichkocht. Es ist ein Zauberwort.

DP: Ein Zauberwort? In den Nachrichten?

JL: Ja. Bei den ernstesten Nachrichten. Das Wort ist " Kind " oder " Kinder ". Wann immer es um Opfer geht,

     Bootsflüchtlingen oder ähnliches. Als wenn ein Unglück nicht schon schlimm genug ist, wird eingestreut,

     das unter den Opfern soundso viele Kinder sind. Schon potenziert sich das Unglück. Natürlich gibt

     Abstumpfungserscheinungen, aber die Ereignisse immer wieder zu pushen, ist schon fragwürdig.

DP: Ja, das ist natürlich auch ein Medienwerkzeug. Aber ich wollte noch auf ein anderes Problem, das unserer

      Wahrnehmung, hinaus. Zu Beginn des arabischen Frühlings saßen wir auf dem Sofa, sahen den Aufbruch

      des Volkes, dann, wie er Gefahr lief, niedergeknüppelt zu werden. Nun gewinnt die Revolution. Jetzt kann

      man davon ausgehen, das die Schläger und Folterer zu Verfolgten werden und sie flüchten, eben auch

      über das Mittelmeer, und ihre Geschichte hört sich in Stichworten genau so an: Es war die Hölle, ich musste

      Frau und Kinder zurücklassen, ich werde verfolgt. Nehmen wir sie genauso auf, wie alle anderen. Sind sie

      gut, nur weil sie den Status eines Flüchtlings haben. Sind alle Vergehen und Verbrechen, die sie begingen,

      null und nichtig, weil sie Verfolgte sind. Die, gegen die wir waren, weil sie den demokratischen Aufbruch

      verhindern wollten. Nein, ich denke, wir brauchen deren ganze Geschichte. Obwohl ich der Meinung bin,

      wir werden die ganzen Konflikte nie ganz verstehen, weil auch so viel fremde religiöse Verschiedenheiten

       mitspielen, die wir nie begreifen werden. Noch immer haben sich die Täter das Chaos zu nutze gemacht,

      ihre Uniformen ausgezogen, unter die Menge gemischt, in der Hoffnung, dass sie nicht erkannt und für Taten

      zur Rechenschaft gezogen werden.

JL: Gut, das ist alles deine Meinung. Wo ist jetzt das Problem?

DP: Meinst du, das ist schon rassistisch oder fremdenfeindlich, weil ich dieser " Willkommenskultur " skeptisch

       gegenüber stehe?

JL: Na ja, rassistisch auf keine Fall. Du bist doch nicht gegen Hautfarben oder bestimmte Gruppen.

     Fremdenfeindlich ist schon eine anderes Kaliber. Jeder könnte dir Fremdenfeindlichkeit vorwerfen, weil du

     nicht konform gehst mit der Mainstreamstimmung.

     Andererseits müsste man Fremdenfeindlichkeit genau beleuchten. Der Nachbar aus der Nebenstraße,

     der Mensch aus Hessen oder aus Schweden kann dir fremder sein als ein türkischer Nachbar, aber bei

      Fremdheit aus dem selben Kulturkreis spricht man vielleicht von Ressentiments. Aber du hast ja nicht generell

      etwas gegen die Neuankömmlinge, sondern du möchtest nur sicher gehen, dass, sagen wir pauschal so,

      friedliche Menschen kommen mit unbelasteter Vergangenheit, die wirklich Schutz suchen.

DP: Ja, so könnte man es ausdrücken. Und als letztes möchte ich nur noch sagen, dass man, und das ist mein

      persönliches Gefühl, die Neuankömmlinge manchmal mit einem Hochmut empfängt, weil man zeigen kann, wie gut es 

      einem geht, und das es das Nonplusultra wäre, hier zu leben, als wenn die Menschen nicht selbst aus

      Hochkulturen kommen, wobei sie wahrscheinlich mehr aufgegeben haben, als sie hier je vorfinden werden.

      Dann danke dafür, dass du mir zugehört hast. Ist ein schwieriges Problem. Damit und mit den Auswirkungen

      werden wir noch Jahrzehnte zu tun haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

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